Lenkerbrüche

Ein Fahrradausflug, die Tour zum Einkaufen oder die Heimfahrt nach Feierabend per Rad - diese Fahrten können zur großen Gefahr werden, wenn sicherheitsrelevante Bauteile am Fahrrad versagen. "Ich wollte die Straße überqueren - und ohne Vorwarnung ist mein Fahrradlenker gebrochen", erzählt Peter M. aus Bremen. Er hatte Glück im Unglück, ist mit der Schulter gegen einen Ampelmast gefallen. Sonst wäre er wahrscheinlich kopfüber auf die Straße gestürzt - mit wesentlich schlimmeren Folgen.

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Alu-Lenker mindestens alle fünf Jahre erneuern

Was viele nicht wissen. Laut vieler Herstellerangaben müssen die Fahrradlenker aus Aluminium mindestens alle fünf Jahre ausgetauscht werden, denn es kann zum Bruch der Lenker kommen.

Auch nach einem Sturz den Lenker austauschen

Kommen solche Unfälle durch gebrochene Aluminium-Lenker häufiger vor? Markt fragt beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) nach. Technikexperte André Gläser sagt: "Es ist leider kein Einzelfall, dass diese Lenker brechen." Die Zahl sei in den letzten Jahren zwar zurückgegangen, aber das Problem bestehe nach wie vor. "Gerade diese sicherheitsrelevanten Bauteile dürfen aber nicht brechen", betont Gläser. Auch die Hersteller wissen um die Problematik. Sie weisen teils in ihren Bedienungsanleitungen darauf hin, dass Alu-Lenker alle zwei Jahre oder nach einem Sturz ausgetauscht werden müssen.

Ein Problem: minderwertige Qualität

Der Test im Lenker-Prüfstand liefert den Beleg: Ein teurer Alu-Lenker für über 120 Euro und ein Modell für rund zehn Euro durchlaufen ein Programm, das in komprimierter Form harten Stadtverkehr simuliert - mit Bordsteinkanten, Schlaglöchern und Bergauf-Strecken. Das Ergebnis: Der teure Lenker ist nach einer Stunde noch einwandfrei, der billige Lenker dagegen bricht bereits nach knapp sieben Minuten durch. "Das Ergebnis entspricht ungefähr einer Belastung von einem Jahr, bei circa 500 bis 700 Kilometern", erläutert Brust. Das sei typisch für Bauteile an Billig-Fahrrädern. Ein überdurchschnittliches Bruchrisiko. "So etwas ist sehr gefährlich", warnt der Experte.

Ein weiteres Problem: falscher Vorbau

Auch der beste Lenker nützt nichts, wenn der Vorbau - das Bauteil, in dem der Lenker festgeschraubt ist - nicht dazu passt. Doch falsche Lenker-Vorbau-Kombinationen findet man leider auch bei fertig montierten Fahrrädern. Der Vorbau kann in mehrerer Hinsicht falsch sein: Problematisch ist ein Vorbau mit scharfen Kanten, eine minimale Abweichung der Durchmesser von Vorbau und Lenker oder eine falsche Materialkombination. Denn: Man sollte niemals einen Vorbau aus Stahl mit einem Lenker aus Aluminium kombinieren, oder umgekehrt. "Stahl und Aluminium dehnen sich durch Wärmeeinwirkung unterschiedlich stark aus, im Verhältnis eins zu zwei", erklärt Brust, "das ist ein Effekt wie bei einem Hefekuchen." Die Folge: Einschnürungen am Lenker, die irgendwann zu einem Bruch führen.

Drittes Problem: falsche Montage

Die Schrauben, mit denen der Lenker festgeschraubt wird, dürfen nur genau so fest geschraubt werden, wie der Hersteller es vorgibt. Profis benutzen dafür einen Drehmoment-Schlüssel. Für gute Fachhändler ist das selbstverständlich - sie bekommen schließlich regelmäßig Fahrräder geliefert, bei denen der Lenker erst noch montiert werden muss. Sonst würde das Fahrradpaket zu sperrig werden. Es kann jedoch auch vorkommen, dass Händler Schrauben zu fest drehen. Dann entstehen gefährliche Einschnürungen am Alu-Lenker. Das gleiche kann passieren, wenn Laien ihren Lenker ohne Drehmomentschlüssel zu fest anziehen.

 

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